ERSTER PROGRAMMAUSBLICK DER VIENNALE 2026

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ERSTER PROGRAMMAUSBLICK DER VIENNALE 2026


Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi präsentierte beim traditionellen Sommerpressegespräch einen ersten Ausblick auf die 64. Ausgabe des Festivals. Neben Features aus dem Hauptprogramm wurden auch einige Special Programs sowie die Retrospektive vorgestellt. Eine erste Auswahl von Filmtiteln und sorgfältig kuratierten historischen Programmen gibt einen Vorgeschmack auf das, was die Viennale im Herbst auf die Leinwände bringt – und macht Lust auf mehr Kino.

Erster Programmausblick

Hier finden Sie eine erste Auswahl an Features, die bei der Viennale 2026 gezeigt werden. Gesamtes Programm online ab 13. Oktober, 20 Uhr, Tickets ab 17. Oktober, 10 Uhr

Special Program: Jocelyne Saab

Die Journalistin und Filmemacherin Jocelyne Saab, geboren 1948 in Beirut, verstorben 2019 in Paris, war seit Beginn der Siebziger Jahre auch als Kriegsberichterstatterin tätig. Dabei entstand ein Werk, das Chronik und politische Reflexion zugleich ist.
Unser Programm umfasst sechs Filme und gliedert sich in zwei Teile.

Der erste, die „Beirut-Trilogie“ – BEYROUTH JAMAIS PLUS (1976), LETTRE DE BEYROUTH (1978), BEYROUTH, MA VILLE (1982) – dokumentiert den libanesischen Bürgerkrieg von innen: Ruinen im Morgengrauen, ein zerstörtes Haus, ausgelöschte Familiengeschichte.

Der zweite Teil versammelt Filme zum Nahen Osten im Umbruch: LES ENFANTS DE LA GUERRE (1976) über eine Generation, die im Konflikt aufgewachsen ist; IRAN L’UTOPIE EN MARCHE (1980) über die Ambivalenz einer Revolution, in der sich bereits die künftigen Mechanismen von Kontrolle und Unterdrückung abzeichnen; und ÉGYPTE, LA CITÉ DES MORTS (1977) über jene Menschen, die in der Kairoer Nekropole zwischen Gräbern am gesellschaftlichen Rand der Stadt leben.
Saabs Kino ist eines, das vom Anderen her denkt und das – wie Nicole Brenez erkannt hat – getragen wird von einer Verbindung aus Liebe zu den Opfern und Ironie gegenüber den Mächtigen. Es sind Filme, die heute eine neue Dringlichkeit gewinnen.

Special Program: Die Solomonischen Korrespondenzen

„Umgekehrte Archäologie“, so beschrieb Phil Solomon (1952–2019) seine Arbeit mit Film. Statt ein ursprüngliches Bild freizulegen, veränderte er dessen Materialität, bearbeitete er die Emulsion, um die Bilder zu ent-fremden und solcherart neu sichtbar zu machen. Ein Kino zwischen Abstraktion und Figuration, Material und Erinnerung, das selbst in radikal experimentellen Formen tiefe Emotionen zu vermitteln vermag.

Nach dem Tod des Künstlers gründete die Filmemacherin Eve Heller gemeinsam mit Kurator Mark McElhatten das Phil Solomon Project. Ihrer Initiative verdankt sich die Wiener Werkschau, die in fünf Programme gegliedert ist. Drei führen durch Solomons Werk, zwei öffnen den Blick auf seinen Kontext: Einflüsse, Affinitäten, Verwandtschaften, Dialoge mit zeitgenössischen Filmschaffenden – sowie jenen jüngerer Zeit, die Solomons Vermächtnis weiterführen und transformieren.
Zu Letzterem gehört auch eine live Super-8-Performance von Silt. Eine Aktion, die die physische Dimension des Kinos zurück ins Zentrum rückt: Filmstreifen und analoge Formate, Licht, Material, Körper und Projektion.
Kuratiert von Mark McElhatten.

Special Program: Österreichische Filme der 90er Jahre

Am Beginn der 1990er Jahre scheint vieles möglich. Der Kalte Krieg ist vorbei, die Grenzen nach Osten öffnen sich, Europa wächst zusammen. Mobilität, Konsum und neue Technologien prägen den Alltag, während vertraute gesellschaftliche Gewissheiten langsam an Bedeutung verlieren. Österreich befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel – politisch, kulturell und sozial.
Filmstill TEMPO © Dor-Film/ORF/Filmarchiv Austria

Auch das heimische Kino reagiert sensibel auf diese Veränderungen. Es stellt Figuren ins Zentrum, die sich zwischen Herkunft und Zukunft, Provinz und Metropole, unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Lebensentwürfen bewegen, weil ihre Orientierung ins Wanken geraten ist.

Traditionelle Österreich-Bilder weichen Erzählungen über Zwischenräume und Randzonen: Bahnhöfe, Einkaufszentren, Nachtclubs werden zu Schauplätzen einer Gesellschaft, die sich neu ordnet und die geprägt ist von bisher unbekannten Einflüssen aus anderen Kulturen. Während sich das Land nach außen öffnet, verschärfen sich Debatten über Identität und Zugehörigkeit.

Gleichzeitig betritt eine neue Generation von Filmschaffenden die Bühne, deren Arbeiten sich weniger für große nationale Erzählungen als für den Alltag ihrer Figuren, urbane Räume und popkulturelle Einflüsse interessieren und in denen dokumentarische Unmittelbarkeit auf stilisierte Bildwelten trifft.
Zwischen Euphorie und Verunsicherung sind auch die fünf ausgewählten Arbeiten dieses Programms zu verorten. Sie laden dazu ein, die Neunziger als gelebte Erfahrung, die bis in unsere Gegenwart hineinreicht, (wieder) zu entdecken.
Ein Programm des Filmarchiv Austria. // Siehe auch Interview mit Xaver Hutter.

Special Program: Vasko Pregelj

ALPE ADRIA UNDERGROUND!, ein Dokumentarfilm von Jurij Meden und Matevž Jerman, befördert die Szene der Amateurfilmclubs im sozialistischen Jugoslawien zurück ans Licht: Räume ohne ideologische Kontrolle, in denen viele Filmemacher ab den 1960er Jahren frei dieselben radikalen Möglichkeiten des Experimentalfilms erprobten wie ihre internationalen Zeitgenossen –

dabei weitgehend ignoriert von Kritik, Geschichtsschreibung und Staatsarchiven. Erst in jüngster Zeit wurden dank aufwändiger Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten. Hunderte dieser Filme wiederentdeckt und digitalisiert.

In diesem Kontext steht das Programm, das Vasko Pregelj (1948–1985) gewidmet ist. Als ausgesprochen vielseitige Figur des slowenisch-jugoslawischen Kinos wirkte Pregelj als Regisseur, Maler, Bildhauer, Fotograf und Theoretiker.

Retrospektive: Robert Aldrich

Robert Aldrich (1918-83) war der Regisseur von Welterfolgen wie VERA CRUZ (1954), WHAT EVER HAPPENED TO BABY JANE? (1962) und THE DIRTY DOZEN (1967). Mit Meisterwerken wie dem apokalyptischen Film noir KISS ME DEADLY (1955) oder dem desillusionierten Spätwestern ULZANA’S RAID (1972) definierte er ganze Genres neu. Aldrich gelang es mit unvergleichlicher Konsequenz, seine persönliche, kritisch geprägte Weltsicht in populäres Kino einzuschreiben. Doch obwohl er bereits zu Beginn seiner Karriere als einer der bedeutendsten Autorenfilmer Hollywoods gefeiert wurde und seither Generationen von Filmschaffenden beeinflusst hat, sind seine Werke berühmter als er selbst. Die gemeinsame Retrospektive des Österreichischen Filmmuseums und der Viennale zeigt das Werk eines der größten Regisseure der USA nahezu vollständig und in raren Filmkopien.

Ein Programm von Viennale und Österreichischem Filmmuseum.

Viennale goes CEE

In Kooperation mit der Viennale präsentiert das URANIA CEENEMA mit Viennale Goes CEE eine Auswahl herausragender Filme aus Zentral- und Osteuropa, die in den vergangenen Jahren beim Festival zu sehen waren. Die Reihe lädt dazu ein, die Vielfalt filmischer Perspektiven aus der Region neu zu entdecken: Von einem abgelegenen Dorf am Schwarzen Meer über die Landschaften Nordmazedoniens und die Straßen Bukarests bis hin zu den Lebensrealitäten in der Ukraine, Anatolien, Estland oder Ungarn. Die Filme erzählen von Menschen im Spannungsfeld von Tradition, gesellschaftlichem Wandel und politischen Umbrüchen und eröffnen eindrucksvolle Einblicke in die Gegenwart Zentral- und Osteuropas. Infos & Programm findet ihr hier.

viennale.at

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