Der niederländische Musiker zählt zu den wenigen aktiven Spielern des 1929 in Berlin erfundenen Instruments. Aktuell prägt sein Trautonium Berqs kommendes Album, Ende Oktober ist LudoWic live in Deutschland zu erleben.
Fast hundert Jahre ist es her, dass der deutsche Ingenieur Friedrich Trautwein in Berlin eines der frühesten elektronischen Musikinstrumente entwickelte: das Trautonium. Gespielt wird es nicht über eine herkömmliche Tastatur, sondern über einen Widerstandsdraht, der es erlaubt, Tonhöhe und Ausdruck unmittelbar mit den Fingern zu formen. Berühmt wurde das Instrument später vor allem durch Oskar Sala, der damit unter anderem die Vogelstimmen für Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ erzeugte. Heute ist das Trautonium weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden. Einer der wenigen Musiker, die es noch aktiv spielen und weiterentwickeln, ist der niederländische Komponist und Produzent LudoWic alias Matheus Lodewijk.
Dass dieses beinahe vergessene Instrument gerade wieder mitten in der Gegenwart ankommt, hat auch mit einem der derzeit spannendsten deutschen Künstler zu tun: Berq. Für dessen kommendes zweites Album „TRAUTONIUM“ arbeitete LudoWic eng mit dem Musiker zusammen. Sein Trautonium ist auf sämtlichen Songs des Albums zu hören (auch auf der ersten Single „Lamia“), drei Stücke entstanden darüber hinaus als direkte Kollaborationen. Das Album erscheint am 26. Februar 2027.
Für LudoWic ist das Instrument allerdings weit mehr als ein ungewöhnliches Stück Musikgeschichte. Als er erstmals eine Aufnahme von Oskar Sala am Trautonium sah, war die Faszination unmittelbar da. Weil historische Instrumente kaum erhältlich sind und Sala seine Spieltechnik nicht systematisch weitergegeben hatte, ließ LudoWic schließlich eigene Trautonien bauen und entwickelte über Jahre seinen eigenen Zugang zu ihnen. Heute bezeichnet er das Instrument als seine musikalische „Stimme“.
Dabei geht es ihm ausdrücklich nicht um Retro-Futurismus oder museale Nostalgie. LudoWics Musik bewegt sich zwischen elektronischer Musik, Neoklassik und Ambient und zeichnet sich durch einen ausgeprägt filmischen Charakter aus. Sie verbindet historische Technik mit einer sehr gegenwärtigen Klangsprache. Analoge Synthesizer, Tape Machines, Resonator-Speaker und seltene elektronische Instrumente bilden eine Klangwelt, die gleichzeitig vertraut und fremd, organisch und elektronisch wirkt.
Sein aktuelles Album „NUNC STANS“, erschienen am 10. September 2026, entstand während vier Monaten weitgehender Isolation im Studio. Der Titel bezeichnet die Idee einer „stehenden Gegenwart“ – eines Moments, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig zu existieren scheinen. Musikalisch verbindet LudoWic darauf zwei wegweisende Instrumente der frühen elektronischen Musik: das Trautonium und die Ondes Martenot. Im Mittelpunkt stehen dabei weniger die historischen Instrumente selbst als Fragen nach Erinnerung, Vergänglichkeit und unserer Wahrnehmung von Zeit.
Auch live bleibt der Entstehungsprozess der Musik sichtbar. LudoWic steht zwischen Synthesizern, Kabeln, Tape Machines und seinen historischen elektronischen Instrumenten und formt den Klang unmittelbar auf der Bühne. Kleine Unregelmäßigkeiten und Unvollkommenheiten sind dabei ausdrücklich erwünscht. Elektronische Musik wird bei ihm zu etwas erstaunlich Physischem – Musik, die nicht einfach reproduziert, sondern im Moment erzeugt wird.
International hat sich LudoWic damit längst ein Publikum erspielt. Er trat unter anderem im Concertgebouw Amsterdam, im Funkhaus Berlin, im Eye Filmmuseum und beim Amsterdam Dance Event auf; außerdem komponierte er Musik für das international erfolgreiche Indie-Game „Katana ZERO“ und arbeitete unter anderem mit Dave und Emmit Fenn.

Ende Oktober führt ihn seine aktuelle Tour nun wieder nach Deutschland. Und schließlich zurück an den Ort, an dem die Geschichte seines wichtigsten Instruments vor fast hundert Jahren begann.
UPCOMING SHOWS:
24.10. Bern – Orbital Garden / WAVE – Eintritt frei
25.10. Mühlacker – Scala Filmtheater
26.10. Leipzig – Kupfersaal
28.10. Berlin – silent green
12.01. Amsterdam – Paradiso
X