FOREVER…FOREVER eröffnet die Viennale 2026 – WIENER BLUES: THE LONELIEST MAN IN TOWN beschließt das Festival.
Erstmalig bilden zwei österreichische Produktionen den Rahmen des Festivals, das vom 22. Oktober bis zum 3. November stattfindet. Eröffnet wird die 64. Viennale am Donnerstag, den 22. Oktober, mit FOREVER…FOREVER des österreichischen Filmemachers Johann Lurf. Der 21-minütige Film wird im Gartenbaukino im 70mm-Format projiziert und steht in der Tradition eines außergewöhnlich vitalen österreichischen Kurz- und Experimentalfilmschaffens, das international seit Langem wichtige Impulse setzt. Mit dieser besonderen Wahl für den Eröffnungsfilm rückt die Viennale diese filmische Form bewusst ins Rampenlicht. Der Musiker Dorian Concept wird den Abend mit seiner unwiderstehlichen, eklektischen Virtuosität bereichern.

Ein Experiment in Zeit, Licht und Raum: 22 Monate, Tag und Nacht durch alle Jahreszeiten derselbe und doch stets andere Blick auf den Stausee Ottenstein im niederösterreichischen Waldviertel, dargereicht vom 70mm-Wizard Johann Lurf. Mit den Bildern seiner selbst konstruierten Kamera, die autonom Lichtmessung, Stand- und Bewegtbild kombiniert, begleitet vom stetig fließenden sub-sonischen Soundteppich von Jung An Tagen wird er das Gartenbaukino zum Glühen bringen und definiert wie nebenbei, was dieses fragile Geschöpf, das sich Kino nennt, im Innersten zusammenhält. (Bernd Brehmer)
Im Rahmen der traditionellen Abschlussgala am Dienstag, den 3. November zeigt die Viennale WIENER BLUES: THE LONELIEST MAN IN TOWN von Tizza Covi und Rainer Frimmel. Im Zentrum des Films steht die Wiener Blues-Legende Al Cook, der an diesem festlichen Abend im Gartenbaukino auch zu Gast sein wird.
Alois Koch, lebenslang wohnhaft in der Ungargasse im Dritten Bezirk, sehnt sich nach dem Mississippi-Delta. Denn er hat (und spielt) den Blues. Unter dem Namen Al Cook ist der Mann mit der Tolle schon lange eine Institution in Wien. Nun erzählen Covi und Frimmel, die virtuosen Grenzgänger an den Rändern des Dokumentarischen, eine bewegende Geschichte mit ihm. Der Loneliest Man in Town soll seine Wohnung aufgeben, das Haus wird abgerissen. Was bleibt einem, wenn der Hausherr sich in eine Holding verwandelt? Halb Künstlerporträt, halb Blues-Ballade, zeigt dieser Film, wie man in den modernen Zeiten die Würde bewahrt. (Bert Rebhandl).
„Mit Eröffnungs- und Abschlussfilm spannt das Festival einen Bogen über all das, was uns am Kino wichtig ist“, sagt Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi. „Am Anfang steht die faszinierende Kraft einer Kunst, die aus der Technik hervorgegangen ist und sich mit ihr immer weiterentwickelt hat: eine Kunst, die unsere Sinne verführt und die es zugleich dem Denken ermöglicht, die Grenzen des menschlichen Maßes zu überschreiten – hin zu dem, was unser Körper nicht zu fassen vermag: Kosmos, Zeit und Raum.“
„Am Ende steht großes Autorenkino, das die Wirklichkeit auf unverwechselbare Weise erfasst, mit Menschlichkeit und Poesie“, so Eva Sangiorgi weiter. „Zwei bemerkenswerte Filme, die die Tradition des Kinos ehren, indem sie sie mit großer handwerklicher Sorgfalt und Aufrichtigkeit auf ganz eigene Weise fortschreiben. Zwei Filme, die bei aller Unterschiedlichkeit auf die Kraft des Blicks vertrauen. Zwei der kostbarsten Entdeckungen des internationalen Filmjahres – und zugleich ein schöner Anlass, ein außergewöhnliches Jahr für das österreichische Kino zu feiern.“
VIENNALE-TRAILER 2026 VON KELLY REICHARDT
Hier präsentieren wir den Festival-Trailer 2026, der in diesem Jahr von der US-amerikanischen Regisseurin Kelly Reichardt geschaffen wurde.
Hinter jedem Bild in einem Film steht die Möglichkeit eines anderen. Stehen viele. So wie hinter der Kamera auch nicht nur eine Person steht, sondern ein Team. Viele. Verschiedene, deren Zusammenwirken zu dem Einen führen, das auf der Leinwand dann erstrahlt. RAIN SET ACTION führt aber nicht nur dies vor Augen, sondern auch, dass es im Hintergrund, am Rand und im Nebenher nichts Unwichtiges gibt. Handschuhe oder nicht, mit Schirm oder ohne, die eine kommt, die andere geht, der dritte eilt vorüber, denn es schüttet. Der Blick folgt und so ergibt sich ein Rhythmus, in dem für einen kurzen Moment – zwischen Erfindung und Wirklichkeit – eine Welt pulsiert. (Alexandra Seitz)
„Ein kleiner Film, der der kollektiven Arbeit Tribut zollt – bestehend aus unzähligen Menschen und Details, die das filmische Schaffen tragen“, so Viennale Direktorin Eva Sangiorgi zum diesjährigen Festival-Trailer. „Kelly Reichardt ist zweifellos eine der originellsten Stimmen des heutigen Kinos, und ihre Arbeitsweise, getragen von einer großen Familie kreativer Weggefährten, ist ein Beispiel für pure Liebe zum Film. Mit dieser Geste erinnert sie uns daran.“
Die 1964 in Miami geborene Filmemacherin Kelly Reichardt zählt seit Jahrzehnten zu den zentralen Vertreter:innen des unabhängigen US-amerikanischen Kinos. Spätestens mit OLD JOY (2006) und WENDY AND LUCY (2008) etabliert sie eine unverwechselbare Handschrift: ein Kino der genauen Beobachtung, das seine Geschichten in kleinen Gesten und unscheinbaren Momenten findet. Immer wieder richtet Reichardt den Blick auf Menschen am Rand der amerikanischen Gesellschaft und erzählt von Arbeit, Freundschaft und den leisen Bruchstellen des Alltags. Ob Western, Thriller oder Heist-Movie: Reichardt nutzt vertraute Genres, um den Blick auf das zu richten, was diese gewöhnlich übersehen.
Mit der Viennale verbindet Kelly Reichardt eine lange Geschichte; zahlreiche ihrer Filme waren hier zu sehen, 2020 widmete ihr das Festival mit TEXTUR #2 eine eigene Publikation. Zuletzt war sie 2025 mit THE MASTERMIND im Programm vertreten – und genau zu diesem Film führt auch eine Spur des diesjährigen Viennale-Trailers zurück.
„Das Konzept besteht darin, den Drehprozess einer einzigen Einstellung zu zeigen“, sagt Kelly Reichardt über den zweiminütigen Film. „Diese spezielle Einstellung stammt aus einer Szene, die es letztlich nicht in die Endfassung von THE MASTERMIND geschafft hat. Bei jedem Durchgang werden Kleinigkeiten angepasst: Licht, Timing, Requisiten und Kostüm verändern sich. Außerhalb des Bildes herrscht geschäftiges Treiben der Crew wie in einem Bienenstock – die kollektive Arbeit, die nötig ist, um eine beiläufige, ungezwungene Atmosphäre entstehen zu lassen.“
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