Ed O’Brien kündigt mit “Blue Morpho” sein eindringliches zweites Soloalbum an – und zugleich sein erstes unter seinem eigenen Namen. Das Album erscheint am 22. Mai 2026 über sein neues Label-Zuhause Transgressive – passend zur heutigen Ankündigung veröffentlicht er bereits den titelgebenden Track.
O’Brien zitiert gerne den Dichter und Farmer Wendell Berry aus Kentucky: “To know the dark, go dark.“ Diese Haltung wurde zum Kompass und zugleich zum Auslöser für “Blue Morpho” – ein zutiefst persönliches Album, produziert von Paul Epworth (u. a. Paul McCartney, Adele), das aus einer der herausforderndsten Phasen seines Lebens hervorgegangen ist.

Obwohl er zu den meistgefeierten Gitarristen der Rockmusik zählt, beginnt O’Brien auf “Blue Morpho” gewissermaßen noch einmal neu und findet erstmals wirklich zu seinem eigenen Ansatz. Mit Momenten von hypnotischem Psych-Folk, strahlenden Gitarren, verführerischem Trip-Hop und leuchtender Ruhe zeigt das Album einen Künstler, der sich über vertraute Strukturen hinausbewegt. Es wirkt wie eine Landkarte von O’Briens Suche nach neuen Arten zu hören, zu arbeiten und zu leben.
Fotocredit © Steve Gullick
Er tritt in die Dunkelheit – und tritt erneuert wieder hervor, spürbar etwa im eindrucksvollen und stimmungsaufhellenden Titelstück “Blue Morpho“, das von der heilenden Kraft der Natur inspiriert ist.
Ed O’Brien hat bereits exklusiv mit Rolling Stone US über „Blue Morpho“ gesprochen – hier könnt ihr das komplette Interview lesen.
Im April 2020, kurz nach der Veröffentlichung seines Solo-Debüts “Earth”, das er unter seinen Initialen EOB herausgebracht hatte, bereute O’Brien beinahe sofort, fast ein Jahrzehnt gewartet zu haben, um diese Songs aufzunehmen, während er seinen Zeitplan mit Radiohead in Einklang bringen musste. Ein Teil der ursprünglichen Impulse war durch diese lange Zeitspanne verloren gegangen, und zudem konnte er das Album nur begrenzt begleiten, während sich die Welt gleichzeitig mit einer globalen Krise konfrontiert sah. Später im selben Jahr fiel O’Brien in die tiefste Depression seines Lebens. Von seiner Frau ermutigt, sich den eigenen Gefühlen bewusst zu stellen, entwickelte er ein tägliches Ritual: Er vertiefte sich in Atem- und Kälteexpositionsübungen nach den Methoden von Wim Hof und zog sich anschließend in sein kleines Studio in London zurück, wo er stundenlang Gitarre spielte – bis sein Kopf sich langsam zu lösen begann.

🎵 “BLUE MORPHO” // Albumtracklist:
1. Incantations
2. Blue Morpho
3. Sweet Spot
4. Teachers
5. Solfeggio
6. Thin Places
7. Obrigado
Es gab keine Vorgaben und keine festen Vorstellungen; O’Brien nutzte sein Instrument schlicht als Weg, um durch fünf Jahrzehnte emotionaler Verletzungen und innerer Unruhe zu navigieren, die nun endgültig an die Oberfläche drängten. Vor Jahren, als O’Brien begann, Songs zu schreiben, hatte ihm Thom Yorke einmal einen entscheidenden Schlüssel zum Songwriting verraten: Man müsse ein guter Bibliothekar sein – Ideen im richtigen Moment katalogisieren, um sie später wiederzufinden und weiterzuentwickeln. Während O’Brien nun spielend durch seine eigene Vergangenheit ging, durch seine spirituelle Verbindung zur Natur der walisischen Landschaft und durch seinen Glauben an die Möglichkeit von Heilung, hielt er fest, was dabei entstand. Über die folgenden vier Jahre hinweg entwickelten sich diese Momente zu “Blue Morpho” – seinem ersten Album, das vollständig von früheren Reuegefühlen gelöst ist.
Eine Reihe glücklicher Zufälle führte schließlich zu “Blue Morpho”. Nach einer zufälligen Begegnung über die Schule ihrer Kinder wurde Produzent Paul Epworth zu einem zentralen Kollaborateur. Daraus entstanden konzentrierte Aufnahmesessions mit Toningenieur Riley MacIntyre in Wales, in denen die Grundlagen des Albums gelegt wurden. Der Saxophonist und Komponist Shabaka Hutchings steuerte Flöten bei, nachdem die beiden beim Glastonbury Festival über Frequenzen und natürliche Resonanzen gesprochen hatten. Und in Estland verband O’Brien mit dem Komponisten Tõnu Kõrvits die gemeinsame Bewunderung für den Klassikkomponisten Arvo Pärt; Kõrvits arrangierte daraufhin Streicher, die vom Tallinn Chamber Orchestra eingespielt wurden. Fertiggestellt wurde das Album zwischen O’Briens Studio in Wales und den The Church Studios in London – einem über 200 Jahre alten ehemaligen sakralen Raum, dessen Atmosphäre den spirituellen Unterton der Platte widerspiegelt. Unterstützung bei der Sequenzierung kam von Flood (u. a. U2, PJ Harvey, Nine Inch Nails), während Ben Baptie für den Mix verantwortlich war. Ein begleitender Kurzfilm mit dem Titel “Blue Morpho: The Three Act Play”, der gestern beim SXSW Festival Premiere feierte, wird parallel zum Album veröffentlicht.
„Blue Morpho” erscheint am 22. Mai 2026 via Transgressive Records auf CD, Kassette und LP sowie als Indie-exklusive “Metamorphosis Edition“ LP (orangefarbenes Vinyl) und als Artist-Store-exklusive “Chrysalis Edition“ LP (cremefarbenes Vinyl). Zudem ist eine limitierte blaue 7”-Single von “Blue Morpho“ erhältlich, die – solange der Vorrat reicht – Teil des LP-Album-Bundles im Artist Store ist:
Die Single “Blue Morpho” auf Apple Music, TIDAL, Spotify & Co. anhören.
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