Noch exakt zwei Wochen, dann weht durch die Grazer Gassen, Straßen und vor allem die Kinos wieder die Diagonaleluft! Das Diagonale Festival des österreichischen Films findet in Graz vom 18. bis 23. März zum 29. Mal statt.
Die 29. Ausgabe der Diagonale in Graz am 18. März wird mit der Österreichpremiere von Markus Schleinzers Spielfilm Rose in der Helmut List Halle eröffnet.
Inmitten des Dreißigjährigen Kriegs erscheint ein Soldat in einem protestantischen Dorf und behauptet, der Erbe eines verwaisten Gutshofs zu sein. Den anfänglichen Argwohn der Dorfgemeinschaft zerstreut der geheimnisvolle Fremde durch Mut und Tatkraft. Nur die allwissende Erzählerin aus dem Off kennt die wahre Identität des Soldaten: Rose ist eine Frau, die als Mann lebt und dabei verschiedenste Rollen annimmt und wieder ablegt – Sonderling, Bärentöter, Gutsherr, Ehemann, Vater. Bis ein scheinbar banaler Moment – der Stich einer Biene – eine folgenschwere Kettenreaktion auslöst.
„Rose hat uns zutiefst berührt, weil er aus der Vergangenheit heraus über Freiheiten spricht, die man sich erkämpfen muss, idealerweise durch Allianzen. Und über Freiheiten, die man schnell wieder verliert, wenn sie nicht geschützt werden.“ so das Intendant:innen-Duo Dominik Kamalzadeh und Claudia Slanar zu seiner Entscheidung für den diesjährigen Eröffnungsfilm. Eindrucksvoll verkörpert Schauspielstar Sandra Hüller die titelgebende Rose und verleiht ihr allein mit Blicken, Haltungen und ihrem Gang außerordentliche Präsenz in diesem zwischen Fiktion und historischer Genauigkeit changierenden Frauenporträt.
Einen wunderbaren Vorboten haben wir bereits jetzt: Wir präsentieren den Festivaltrailer, gestaltet von Michael Gülzow, der ab sofort auch auf den Leinwänden unserer Partner:innen-Trailerkinos im Einsatz ist!

Für die Diagonale ’26 gestaltet Michael Gülzow mit Die paradoxe Begegnung am 18. März 2026 gleich einen ganzen Trailerreigen und bedient sich an Klassikern aus der Film- und Fernsehgeschichte, die er zu einer wundersam-aberwitzigen Zeitreise verbindet. Am Ende führen natürlich alle Wege nach Graz, und genau dort gibt es in unseren Festivalkinos auch alle drei Varianten zu sehen!
Mit der Diagonale-Ausstellung Das Tor zur Unwirklichkeit lädt das Kunsthaus Graz dazu ein, mit Michael Gülzow zudem durch Zeiten und Realitäten zu reisen. In seinen Videoinstallationen bewegen sich die Protagonist:innen nahezu mühelos zwischen Nachrichten, Science-Fiction und Fake-Welten hin- und her. Dabei untersucht er die mediale Konstruktion von Wahrheit und verwischt durch seine gewitzte Montage von Found Footage und eigenem Material Realität und Fiktion. Kuratiert von Martin Grabner.

Im Rahmen der Festivaleröffnung vergibt die Diagonale zum bereits 19. Mal den Großen Diagonale-Schauspielpreis für Verdienste um die österreichische Filmkultur. Die Auszeichnung geht dieses Jahr an die unverwechselbare und vielseitige Hilde Dalik.
„Ihre Lust am Spiel, ihr schauspielerisches Handwerk, ihre Genauigkeit, ihr unverwechselbarer Humor und zugleich ihre Fähigkeit zu Tiefgang zeichnen Hilde Dalik aus. Im Film wie auf der Bühne entfaltet sie eine außergewöhnliche Kraft – leise und eindringlich zugleich, getragen von Genauigkeit, Mut und großer Wahrhaftigkeit. Immer wieder beweist Hilde Dalik auf überzeugende Art ihre Bandbreite und auch ihr komödiantisches Talent.” — Jurystatement
Die Schauspielerin wird den Preis, gestaltet von Anita Leisz, am Eröffnungsabend persönlich in Graz entgegennehmen. Wir gratulieren herzlich!
Der Wettbewerb wartet für unser Publikum zur kommenden Ausgabe mit besonders vielen Welt- und Österreichpremieren im Bereich des Dokumentarfilms auf. Zwei Generationen von weiblichen Dokumentaristinnen ist mit ihren Österreichpremieren jeweils eine Special Presentation des Festivals gewidmet: Zum einen Ruth Beckermann mit WAX & GOLD, einem klugen und wendigen Essayfilm über das Erbe des Kolonialismus. Zum anderen Jola Wieczorek mit ihrer, in Saarbrücken ausgezeichneten, persönlichen und poetischen Erzählung Die noch unbekannten Tage. Auf eine persönliche Spurensuche begibt sich auch Tolga Karaaslan gemeinsam mit seinem Vater Celal in Baba, What’s Your Plan?, der seine Weltpremiere in Graz feiern wird. Einen gekonnten Mix aus Culture Clash, Zeitgeschichte, Komödie und Liebesdrama bietet die Österreichpremiere zu The Stories von Abu Bakr Shawky mit Valerie Pachner in der weiblichen Hauptrolle, und Maria Petschnig zeigt mit der Österreichpremiere ihres Langspielfilmdebüts Beautiful and Neat Room, dass es immer noch schlimmer geht, zumindest was die temporären Mitbewohner:innen der Protagonistin betrifft. In Kooperation mit dem Drehbuchforum Wien findet dazu auch ein Let’s talk about scripts! mit Maria Petschnig und Co-Autor Thomas Brooks statt, das sich der Entstehung des Drehbuchs widmet.
Und auch einen internationalen Gast begrüßen wir zur kommenden Festivalausgabe in Graz: der Regisseur und bildenden Künstler Hlynur Pálmason aus Island,zuletzt mit der Tragikomödie The Love That Remains 2025 in Cannes, präsentiert sein Gesamtwerk erstmals in Österreich und wird bei einer Masterclass Einblick in seine Arbeitsweise geben. Mehr Informationen zur Position Hlynur Pálmason → hier.

Die Hauptdarstellerin des diesjährige Eröffnungsfilms der Diagonale, Sandra Hüller, wurde soeben auf der Berlinale für ihre schauspielerische Leistung in Markus Schleinzers Rose mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet – wir gratulieren sehr herzlich und freuen uns schon auf die Österreichpremiere in Graz! Sehr passend dazu beschäftigt sich auch das zweite filmhistorische Special des Festivals, kuratiert von SYNEMA, mit Frauen in Hosenrollen: Girls Will Be Boys greift die Genderfluidität und Travestie im deutschsprachigen Kino der Zwischenkriegszeit auf, wo tradierte Rollenbilder auf vielfältige Weise infrage gestellt wurden. So verwandelt sich Dolly Haas in Der Page vom Dalmasse-Hotel in einen feinen Burschen, Franziska Gaál wird zu Peter, das Mädchen von der Tankstelle, und Renate Müller gibt in Viktor und Viktoria den falschen Damenimitator. Drei absolut hinreißende Performances der damaligen Schauspielstars, deren Karrieren durch den Nationalsozialismus bald darauf ein Ende fanden. Mehr Informationen zu Filmgeschichte Girls Will Be Boys → hier
Und zum 50-jährigen Jubiläum der Duisburger Filmwoche zeigt die Diagonale vier Filme aus der Festivalgeschichte des renommierten Dokumentarfilmfestivals. Filme, die irritieren, provozieren, herausfordern und gleichzeitig faszinieren! Mehr Informationen zum Special Duisburger Filmwoche → hier
Das komplette Programm der Diagonale ’26 wird am 5. März um 13 Uhr auf der offiziellen Website veröffentlicht, der Kartenvorverkauf startet am 14. März – bis dahin empfehlen wir, durch Graz zu flanieren und zu beobachten, wie die Schaufenster der Innenstadtgeschäfte nach und nach im Diagonale-Look erstrahlen: der D26-Schaufenster-Wettbewerb ist bereits im Gange!
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